Mit Hirn ins Dorf! Village Effect statt Ent-Sinnung.

Harald Franzke

Es steht außer Zweifel! In Industrienationen und Schwellenländern verroht, erkrankt und verödet die Menschheit leider rapide. Ellenlange, wissenschaftlich abgesicherte – oft aber aus Kalkül totgeschwiegene – Befunde belegen uns dies. Wer offenen Auges, klaren Verstandes und mit eleganter Individualität durchs Leben geht, sieht dies schon lange.

Wir alle wissen sehr viel, wir alle kennen jedes kleinste Detail von wieder sehr vielen kleinen Details. Wir – und vor allem unsere Kinder – sind geniale Akrobaten in der Welt der Elektronik und Experten des Digitalen. Eins und null, ein und aus, das binäre System. Da kennen wir uns aus!

Und was ist mit all den möglichen neuronalen Verschaltungen emotionaler, biologischer oder allgemein formuliert, basismenschlicher Art, die uns Menschen zu individuellen einzigartigen Wesen machen?

Wo ist die universelle Zusammenschau geblieben, die viele Details in ein harmonisches, ästhetisches, ethisches, lebensgerechtes und lebenswertes Ganzes verschmelzen lässt? Wohin ist die herrliche, bejahende und optimistische Vielfalt verschwunden? Die Einfalt dominiert mittlerweile unser Leben. Natürlich sind wirtschaftliche Interessen und gesellschaftlich-politische Weltdominanzen der unintelligente Motor der Einfalt! Unintelligent vor allem deswegen, weil letztlich – trotz großer Anzahl an Macht-Exponenten – ein immer noch von Minderheiten gesteuertes, exzessives, zerstörerisches Machtoligopol sogar schon mittelfristig unseren Planeten und damit das Leben zerstören werden.

Ich bin kein Innovationsverweigerer und auch kein Gestriger. Blicken wir uns um in der Welt von heute!
Globale Vernetzung, riesige Systeme, undurchschaubare, unbeherrschbare Komplexitäten sind entstanden und entstehen. Verrohung in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Familie und Freundeskreis ist klar spürbar und evident. Wahnsinnige, Terroristen, Jugendliche, Kinder die einander abschlachten und quälen, dabei per Smartphone filmen und ins www stellen … Die Beispiele von zerstörten, verstümmelten oder ver-rückten und noch immer als Menschen bezeichneten Wesen, gehen mittlerweile weltweit in die hunderten Millionen.

Der österreichische Nationalökonom und alternative Nobelpreisträger Leopold Kohr wusste es schon in den 1980er Jahren: Große Systeme sind genau wie in der Natur auch in Gesellschaft und Wirtschaft zum Sterben verurteilt. Inhaltlich propagierte Kohr Dezentralisierung sozialer Organisationen und Gruppen auf eine Größe, in der Funktion noch möglich ist, aber gleichzeitig den Mitgliedern eine Überschaubarkeit erlaubt. Kohr war Anarchist und Vordenker der Umweltbewegung. Er erhielt 1983 den „Alternativen Nobelpreis“.

Welche aktuellen Befunde und Lösungsansätze gibt es heute zum riesengroßen Feld der kranken Welt-Gesellschaft?

Die bekannte kanadische Psychologin Susan Pinker ist eine von weltweit vielen, die erkennen, dass der Verlust von – ganz allgemein gesprochen – Nähe, Intimität, persönlicher und direkter Kommunikation, Gemeinschaft, Gemeinsamkeit und Miteinander im wörtlichen Sinn, dieses fatale Spektrum an Ent-Menschlichkeit verursacht. Zusätzlich bewiesen wird das von den neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung, die zeigen, dass die persönliche Entwicklung jedes einzelnen Gehirns und damit jedes einzelnen Menschen durch frühkindliche und erwachsene neuronale Verschaltungen bzw. durch Bildung neuer Synapsen geprägt wird. Diese entstehenden Netze und Verbindungen jedoch werden durch Face-to-Face Kontakte, Bezugspersonen, Vorbilder, Begeisterung auslösende Nähebeziehungen und Kommunikation (ohne Medien! Persönlich!) stimuliert und durch die durch positive Emotionen gebildeten neuroplastischen Botenstoffe positiv beeinflusst.

Damit ist klar: ausufernde digitale Kommunikation und Beschäftigung, persönliche Distanzen, Abschottung von der Gemeinschaft, Isolation, uvm. sind Ursachen für zahlreiche Erkrankungen (physische und psychische), Sprachunterentwicklung der Kinder, Lieblosigkeit, Verrohung, steigende Kriminalität und Sinndefizite ganz allgemein.

Die Erfolgsstrategie lautet daher kurz gesagt: Zurück zum Dorf, zum Village Effect!
Oder nennen wir es provokanter „komplexe Exozentriertheit“.

Das heißt natürlich nicht Verweigerung von Fortschritt und neuen Lebensformen. Die Dosis macht das Gift! Das heißt: vielfältige, persönliche Kommunikation wieder födern, starke Reduktion von digitalen Ritualen wie Dauermailen, WhatsApp, elektronische Spiele, Online-Wahnsinn, und, und, und.

Die 6 Schlüssel-Statements zum „Village-Effect“ sind:

  1. Lebe in einer Gemeinschaft, in der du deine Nachbarn kennst und mit ihnen auch sprichst.
  2. Baue echt gute menschliche Kontakte im Arbeitsalltag. Nutze Email, SMS und Telefon nur für zielgerichtete Kommunikation.
  3. Schaffe dir ein Dorf der vielfältigen Beziehungen und Freundschaften. Soziale Kontakte bei Arbeit, Sport und Freizeit. Gemeinsame Mahlzeiten und Unternehmungen live, persönlich und bewegt! Offline statt Online!!!
  4. Jeder Mensch braucht um sich gesund entwickeln zu können nahe persönliche Kontakte. Steuere das Verhältnis von Face-to-Face Kontakten zu „Screen“-Kontakten, wie die Menge deines Essens im Verhältnis zum Appetit. Weniger ist oft mehr!
  5. Für Kleinkinder und Jugendliche hat die Interaktion mit Eltern, Grosseltern, Freunden, Peer-Groups Priorität! Kombiniere Alltags-Lernen („Live Teaching“) mit Online-Tools bei älteren Kindern und Teens.
  6. Je mehr unsere Tätigkeiten zu digitalen Plattformen abwandern, desto mehr werden Face-to-Face Kontakte in Erziehung, Medizin und Kinderbetreuung zum Luxusgut. Als fundamentales menschliches Bedürfnis, sollten Face-to-Face Kontakte für alle nutzbar und erreichbar sein!

Ich muss jetzt kurz ins Dorf. Bis bald und ein gutes, dörfliches Jahr 2017 wünscht Ihnen

Harald Franzke