„Du selbstverliebter Bonobo!“ Oder: Einzigartigkeit belebt.

Harald Franzke

Das war wieder einmal die klassische Trennungssituation. Sie kennen doch sicher die theatralisch und schauspielerisch durchinszenierten Auftritte von Ex-Partnern, wo sich Boshaftigkeiten und Verletzungen höchst emotional aneinanderreihen. Meist kommen dann Ansagen genau zu den Eigenschaften, die vormals so geliebt wurden.

„Du selbstverliebter Bonobo“, schrie Marita zum Abschied meinem Freund Achim ins Gesicht.

Na klar! Er ist ein allseits beliebter und geschätzter Typ, der genau mit seiner Supermischung aus Charme, Eitelkeit, Selbstinszenierung und Gradlinigkeit beeindruckt. Ein Grenzgänger, der ob seines Mottos „No Risk, no Fun“ eckig, kantig und gleichzeitig ein bisschen selbstverliebt durchs Leben huscht. Und damit in der Damenwelt gut ankommt, sehr geschätzt ist.

Langweiler und Ja-Sager, brave Konformisten und einfärbig Einfältige, haben es wohl ungleich schwerer.
Wer von den beiden Typen ist wohl einzigartig?

Und dann ist da noch das Dilemma der Recruiter von (Nachwuchs-)Managern.
Jede Menge sauber frisierte, geschniegelte, aufgeputzte, mit perfektem Lebenslauf ausgestattete Schnucki- und Tussie-Typen eilen von Vorstellungstermin zu Vorstellungstermin. Austauschbare, auf sichere Durchschnittlichkeit getrimmte Menschen mit braver Einfalt.

Dann plötzlich taucht frische, bunte Vielfalt vor dem Personalverantwortlichen auf!! Der Raum wird beim Betreten des Bewerbers, der Bewerberin eng, kreative Lockerheit liegt in der Luft und mutige Macherqualitäten purzeln beim Interview auf den Besprechungstisch.

Einzigartig! Super! Der ist es! Die ist Es!
Authentisch, nicht perfekt, emotional, querdenkend, bereit Fehler zu machen und diese als Chance zu sehen.
Ein Live-Typ! Keine Konserve!

Nur, trauen wir uns diesen Typ in unserem Unternehmen überhaupt zu? Das könnte ja gefährlich für die bestehenden Strukturen sein.
Nein! Einzigartigkeit und Authentizität lohnen sich immer. Unsere Gesellschaft, unsere Unternehmen brauchen gerade diese Menschen; mit dem Mut zum Aufbrechen und Zerstören der verkrusteten Altlasten in Wirtschaft, Politik und Verwaltung.

Die einzigartigen Bonobos, die bunt Vielfältigen, die auffällig Anderen, die stolzen Individualisten und die mutigen Live-Performer haben in Unternehmen, die sich Positive Leadership als Führungsmodell verschrieben haben, ihr Gestaltungs- und Schaffensfeld.

Keinesfalls in Krusten- und Bewahrer-Organisationen.

… meint Ihr Harald Franzke

 

Anmerkung zu Bonobo (ich musste Wikipedia bemühen, da ich leider diese Kerle nicht kannte):

„Der Bonobo oder Zwergschimpanse (Pan paniscus) ist eine Primatenart aus der Familie der Menschenaffen (Hominidae). Sowohl die Weibchen als auch die Männchen in einer Gruppe etablieren ihre Rangordnung. Dabei kommt es auch zu aggressiven Interaktionen, die zwar nicht seltener, aber von deutlich geringerer Intensität als bei Gemeinen Schimpansen sind. Bei der Aggressionskontrolle kommt sexuellen Interaktionen eine wichtige Rolle zu.“